Sonntag, 2. August 2026

Die MS und ich



Ich will jetzt hier mal erzählen, welchen Einfluss die MS auf mich hat. Man nennt die MS auch, "Die Krankheit mit den 1000 Gesichtern". Das bedeutet, stelle 1000 MS Kranke nebeneinander, und du hast 1000 verschiedene Auswirkungen dieser Krankheit. Und das ist das Problem. Sogar bei Leuten, die damit beruflich zu tun haben. Pfleger, Betreuer, Haushalshilfen, und was es da noch so gibt, auch da verstehen es viele nicht. 

Ich weiß noch, als ich in einem Pflegeheim war in Kurzzeitpflege, welches ich hier auf der Seite auch schon erwähnt habe, gab es eine Pflegerin oder was das war, die eine dumme Bemerkung ablassen musste, "Der liegt nur rum". Na das hab ich sicher nicht gemacht,  weil ich dort Urlaub machen wollte. 😟 Also solche Leute braucht man echt nicht um sich rum. Ich denke mein Blick ihr gegenüber war dann auch schon vielsagend.

Unterschiede im Bekanntenkreis

In meinem Umfeld gibt es z.B, 3 MS Kranke, wo total unterschiedlche Auswirkungen vorhanden sind. 

1. Früher kannte ich einen älteren Mann, der zwar zu Hause im Rollstuhl saß, aber noch selber Auto fuhr. Dieses war zwar umgebaut, so das er "Gas geben" mit der Hand konnte, aber er fuhr noch.

2. Eine Bekannte ist beim gehen auf der Straße öfter hingefallen, so das ihr Gesicht aussah, als wäre sie verprügelt worden. Heute wohnt sie im Pflegeheim, wo sie mit einem E-Rollstuhl sich fortbewegen kann.

3. Eine andere Bekannte fährt Auto und Motorrad, und geht auch noch Arbeiten. Übrigen,m in der Plege.

4. Und ich? Ich fahre kein Auto mehr, geschweige denn Motorrad. Auch wenn ich noch den Führerschein für beides habe. Ich wohne alleine in der Wohnung, die ich 2001 bezogen habe. Das Leben heute ist zwar anders als früher, aber trotzdem völlig anders als bei den 3 Beispielen in meinem Umfeld. 

Ich habe eine Haushaltshilfe, die die Dinge macht, die ich nicht mehr kann, bzw. nur mit großer Anstrengung. Ich habe eine Betreuerin, die sich um die Sachen kümmert, die ich nicht mehr konzentriert erledigen kann. Ich habe einen Pflegedienst, weil ich nicht mehr einfach in die Dusche steigen kann, wie ich will. Ich habe Unterstützung vom mobilen Betreuten Wohnen, damit ich mit meinem E-Rollstuhl in die City kann um Kleinigkeiten in Geschäften zu holen und so am "normalen Leben" teilnehmen kann. Ich bestelle meine normalen Lebensmittel bei Rewe oder Picnic, weil ich keine Großeinkäufe mehr machen kann. Ich bekomme Mittagessen von Malteser geliefert. Das schmeckt zwar manchmal wie ein aufgewärmtes Fertiggericht, aber selber kochen kann ich nicht mehr. Ich habe einen Hausnotruf von Malteser, falls etwas sein sollte.,

Körperliche Auswirkungen

 Welche Auswirkungen habe ich? Als meine Mutter 2014-2015 im Altersheim war, ging mein Auto kaputt. So, dass sich eine Reparatur nicht mehr lohnte. Daraufhin hab ich den Wagen erst mal abgemeldet und in der Garage stehen lassen. Ich bin dann mit dem Bus nach Niederau gefahren, wo das Altersheim ist, in dem meine Mutter wohnte. 

Von der Bushaltestelle bis zum Heim war es nicht weit. Ich schätze mal 700 Meter. Auf diesem Weg merkte ich irgendwann, ich hatte Gleichgewichtsstörungen und ging nah an den Hauswänden vorbei, falls ich mich festhalten musst. Das war also so, als wäre ich betrunken gewesen. Ich schob dies auf den Stress, den ich hatte, weil ich die Vorsorgevollmacht für meine Mutter hatte und mich um alles gekümmert hatte, vom Krankenhaus bis zum Altersheim. 

Als meine Mutter im November 2015 starb, war ich "fertig" mit der Welt. Aber ich dachte, der einzige Vorteil war, nun habe ich Ruhe und kann mich regenerieren. War zwar nicht gegen meine Mutter gerichtet, aber es waren wohl die Umstände. Und nun konnte ich mich erholen. 

Aber leider falsch gedacht. Das Einkaufen im Netto rund einen KM entfernt, fiel mir immer schwerer. Einmal wollte  ich mir nach dem Einkaufen noch einen Döner holen in der Fußgängerzone. Wie so oft. Ich stand dort und musste warten, weil noch 2 oder 3 Leute vor mir waren. Und plötzlich lag ich auf dem Boden. Ich hatte nicht verstanden was los war. Meine Beine hatten einfach keine Kraft mehr. Aber wegen meiner Kampfsporterfahrung in den 90er hatte ich es "im Blut" zu fallen und hab mir nichts getan. 

Am Tisch saßen 3 Türken, die sofort kamen, um mir aufzuhelfen. Die Deutschen waren nur am gucken. So ist unsere Gesellschaft heute. Der Angestellte von der Dönerbude begleitete mich dann bis nach Hause. War ja mur ein Stück weiter und er kannte mich ja als Stammkunde.

Kein Arzt

Viele werden sich jetzt fragen, warum ich nicht beim Arzt war. Tja, 1. bin ich keiner der gerne zum Arzt geht und 2. war ich ja immer noch der Meinung, das kam von dem erwähnten Stress, rund um meine Mutter. Und davon mußte und wollte ich mich noch erholen. 

Wie man sich erholt, wusste ich ja aus meiner Zeit als Kampfsportler. Meditation und so. Dafür brauchte ich keinen Arzt oder sonst wen. Da war mir noch nicht bewusst, was ich noch für ein Problem hatte. Das sollte ich später erfahren.

Der Tod winkte mir zu

2018 bin ich dann wieder unvermittelt umgefallen. In meiner Wohnung. Ich stand aber wieder auf und setzte mich wieder an meinen PC, um weiter zu machen mit meinen Dingen. Auch hier merkte ich wieder, meine Kenntnisse als Kampsportler haben mir wieder geholfen beim Fallen, und zwar ohne darüber nachzudenken. Und das passierte noch 4 mal. Beim 5.  konnte ich nicht mehr aufstehen. Ich hatte keine Kraft mehr. Ich fand das eher lächerlich. Wie oft bin ich damals beim Training zu Boden gegangen und bin wieder aufgestanden. Und nun ging das nicht mehr?

Ich kroch zum Bett und versuchte mich dort hoch zu drücken. Ging nicht. Ich kroch dann zum Sessel und versuchte es dort. ging auch nicht. Dann ging mein Handy. Ich ging dran. Es war Marion Kreuzer, eine liebe Freundin. Aber ich sagte ihr nichts davon. Ich plauderte mit ihr wie immer, aber erwähnte nicht, das ich auf dem Boden saß, gegen den Sessel gelehnt. 

Nach dem Telefonat kroch ich wieder ins Schlafzimmer, warf mein Handy ins Bett, weil ich dann schlafen gehen wollte, Aber das mit dem Hochdrücken ging immer noch nicht. Also um es abzukürzen: Ich lag dann 3 Tage in der Wohnung. Mir war klar, was passiert wenn ich 3-4 Tage nichts trinken kann. Und es war mir egal. Wer wartete denn auf mich? War doch keiner mehr da. Alle tot, und der Rest lebt sein eigenes Leben.

Es ging das Telefon und mein Handy mehrfach. Aber das Festnetz stand auf dem Schreibtisch und das Handy lag irgendwo im Bett. Beides unerreichbar. 

Rettung naht

Samstag klingelte es an meiner Tür, An der Klingel hörte ich, das war an der Haustür. Sicher wieder Kinder, die das lustig fanden. Wie so oft. Dann hörte ich die Aufzugstür, die zu fiel. Es klingelte an meiner Wohnungstür. Eine Frauenstimme rief nach mir. Es war die Polizei. Ich sagte der Beamtin durch die geschlossene Tür was los war. Die Beamtinnen riefen die Feuerwehr, die dann das Türschloss aufbohrten. Kurz darauf standen 2 Sanitäter und ein Notarzt neben mir, 

Ich kam dann nach Lendersdorf ins Krankenhaus. Dort wurde festgestellt, ich habe einen Nerv im Rücken entzündet. Dann am nächsten Tag hieß es, ich habe MS. Ich sagte zum Arzt, "Wie soll ich denn daran kommen? In meiner Familie hat niemand MS". Er meinte MS kann jeder bekommen.

Jedenfalls kam ich dann in eine Reha in der Nähe von Euskirchen. Dort wurde ich dann mit Krafttraining wieder halbwegs fit gemacht. Dort wollte ich auch mit einer Psychologin reden, weil ich gemerkt habe, irgendwas ist nicht normal bei mir. Die sagte mir nach 10 Minuten, ich habe Depression. Jetzt war mir einiges klar. Warum ich z,B. mit dem Leben abgeschlossen hatte, als ich in der Wohnung lag, und es war mir egal. 

Warum war die Polizei bei mir?

Marion Kreuzer, mit der ich Donnerstag telefoniert hatte, fand es seltsam, dass ich im Netz nicht online war. Darum hat sie mich mehrfach angerufen, um zu hören ob alles ok ist. Da sie mich nicht erreichen konnte, rief sie in Düren die Polizei an. Von Süddeutschland aus. Also habe ich es Marion zu verdanken, dass ich noch lebe.😘

Der Nerv im Rücken

Dieser Nerv, der sich im Rücken immer wieder entzündet, hat dann auch dafür gesorgt, dass ich 2022 nach dem duschen in der Badewanne beim Aussteigen aus der Wanne hingefallen bin, und ich mir den rechten Oberschenkel gebrochen hatte. Ich wurde daran im Krankenhaus Düren operiert. Es folgte dann im Anschluss ein Aufenthalt in Burg Binsfeld. Wo ich nie wieder hinwill, was ich auch meiner neuen Betreuerin sagte. Warum, kann man über den vorherigen Link lesen.

Seitdem  sitze ich im Rollstuhl. So kann ich auch nicht mehr umfallen. Ich habe nicht mal mehr gemerkt, dass ich im Rücken was entzündet hatte. 

Die Zukunft

Ich werde jetzt sicher für den Rest meines Lebens im Rollstuhl sitzen, weil ich nicht mehr  umfallen will. Aber wenn die aktuelle Hitzewelle vorbei ist, werde ich meine Muskulatur wieder trainieren. Ich kann zwar kein Bodybuilding wie früher mehr machen, aber leichtes Krafttraining ist ok. Zudem werde ich auch wieder meine Techniken aus dem Shaolin Kempo machen, zum einen um beweglich zu bleiben, zum anderen weil es heute zu viele komische Gestalten auf den Straßen gibt. Ich kann zwar niemanden mehr ins Gesicht springen, aber wer rechnet mit der Gegenwehr eines Rollstuhlfahrers? 😇

Außerdem will ich auch wieder aufstehen können. Und dazu brauche ich das Krafttraining. Ich brauche keine Physio. Denn ich weiß, was ich tun muss. Und der Antrieb kommt von mir selber.  

WENN DICH DIE MS UND  IHRE AUSWIRKUNGEN INTERESSIERT, UND WAS MAN DAGEGEN TUN KANN, SCHAU HIER REGELMÄSIG REIN!

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